Wushu-EM 2010 in Antalya – Eine Abrechnung

16. March 2010 - 2 Responses

Die EM 2010 der European Wushu Federation ist Geschichte, Zeit für ein Fazit oder in diesem Fall besser eine Abrechnung. Denn was in diesem Jahr an der EM alles abging, spottet jeder Beschreibung. Doch schön der Reihe nach.

Eigentlich fing ja alles ganz gut an. Am Flughafen wurden wir prompt abgeholt und ins Hotel gefahren. Im Hotel erhielten wir umgehend Zimmerschlüssel und auch ein Sandwich gab es noch, schliesslich war ja schon Mitternacht.

Einen ersten Vorgeschmack auf was noch kommen würde, erhielten wir am Coach- und Teamleader-Meeting. His Royal Arrogance himself, der russische Turnierdirektor zog seine One-Man-Show ab, mischte munter die IWuF- und EWuf-Reglemente durcheinander und verbot in einem Satz Feyue-Schuhe und verlangte 7 Knöpfe an den Uniformen. Als Sahnehäubchen der Arroganz verkündete er zum Schluss, dass Russland in 15 Kategorien nicht antreten würde, um den anderen Nationen eine Chance auf Gold zu lassen… Ich hab’s mal überprüft: Es waren genau die Kategorien, in denen Russland auch an vergangenen EM’s nie an den Start gegangen war. Ach ja, habe ich es schon erwähnt? Der russische Turnierdirektor ist nebenbei russischer Verbandspräsident. Auch die anderen Exekutiv-Komitee-Mitglieder „überzeugten“ durch unglaubliche Kompetenz. Der Präsident ist leider nur noch ein Schatten seiner selbst und bemerkte erst mitten in der Rede, dass er nicht mit den Schiedsrichtern, sondern mit den Coaches und Teamleadern sprach und die ewige Windfahne aus Belgien, redete von mehr Professionalismus und bewies noch während des Turnierverlaufs das Gegenteil.

Neue Rekorde gab’s auch zu verzeichnen. Den ersten Tag verbrachte ich von 08:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends in der Sporthalle. Der erste von mir betreute Athlet konnte schliesslich kurz vor 15:00 Uhr starten. Mittag- und Abendessen fielen dann halt aus… Und so ging es Tag für Tag weiter. Dem Fass den Boden aus schlugen aber am letzten Abend die Siegerehrungen. Sie fingen mit fast einer Stunde Verspätung an und endeten kurz vor Mitternacht. Eine unglaublich professionelle Leistung, Mr. Belgium!

Die Wettkämpfe verliefen eigentlich wie immer. Russland, der Rest Europas durfte sich die Brosamen teilen. Wo einige aber nicht mit den Brosamen zufrieden waren (z.B. Andri Koval in der Kategorie Nanquan), wurde das Resultat am Schiedsrichtertisch zurecht gerückt. Schade eigentlich, denn von den Fähigkeiten her, hätten die Russen das gar
nicht nötig. Auch im Sanda gab es einen handfesten Skandal, diesmal mit Schweizer Beteiligung. Obwohl Patrick Schmid seinen türkischen Gegner spitalreif prügelte (der Türke brach kurz nach dem Kampf zusammen, wurde
künstlich beatmet und anschliessend ins Spital gefahren), legten die Türken Protest ein kamen unverständlicherweise Recht (das Reglement sieht eine Umkehrung des Entscheids nicht vor) und traten mit dem spitalreif geschlagenen Kämpfer zum Finale an. In jedem anderen Land hätte ein Arzt den Guten aus dem Verkehr gezogen. Hier durfte er
immerhin 30 Sekunden auf der Kampffläche stehen… Zustände wie in einer Bananenrepublik.

Glücklicherweise gab es noch einige herausragende Leistungen, an denen sich alle unabhängig der Herkunft freuen konnten: Sam Mak aus Grossbritannien beispielsweise zeigte grossartige Standardformen, die etwas vom Feinsten an dieser EM waren. Auch Andri Koval zeigte eine tolle Nanquan-Form, die leider nicht mit der Krönung belohnt wurde.
Von unseren Schweizer Athleten zeigte eigentlich im Formenbereich nur Sami durchwegs stabile Leistungen, die leider nicht mit Medaillen belohnt wurden. Erfreulich auch Lakkhanas Medaille in der Kategorie Daoshu. Im
Kampfbereich hoben sich Priscilla Staubli und Patrick Schmid (der mindestens Silber verdient gehabt hätte) mit ihren
Bronze-Medailengewinnen ab. Den Vogel zum Schluss schoss wiederum der Turnierdirektor ab. Angekündigt waren die Wettkämpfe bis Samstag. Gewusst, dass die Wettkämpfe aber nur bis Freitag gingen hat aber nur das russische
Team. Es reiste am Samstag morgen ab. Alle anderen Nationen blieben so einen Tag länger als nötig in Antalya. Der türkische Verbandspräsident und OK-Chef (der im Übrigen der Einzige war, der seinen Job an dieser
EM gemacht hat)war darüber sehr empört und fühlte sich zurecht über den Tisch gezogen… Es ist zu hoffen, dass der Herr aus Russland damit zu weit gegangen ist, denn diesmal hat er den neuen Geldgeber der EWuF verärgert. Und das dürfte strategisch eher der falsche Schritt gewesen sein.

So sehe ich für das europäische Wushu eine eher düstere Zukunft, falls nicht bald einige Exponenten in Rente geschickt werden. Die Kandidaten für den Ruhestand habe ich bereits erwähnt. Tönt alles etwas bitter? Ja, absolut. Da ich weiss, wie dieser Verband von innen aussieht, besteht aus meiner Sicht auch nicht viel Hoffnung. Trotzdem hoffe ich, dass sich einige Leute zusammentun und für Veränderungen kämpfen, sonst ist Wushu in Westeuropa bald tot.

Geistiges Eigentum in den Kampfkünsten?

1. November 2009 - No Responses

Ich war mir lange nicht sicher, ob ich etwas zu diesem Thema schreiben soll oder nicht. Ich möchte immer wieder Grösse zeigen und grosszügig über Dinge hinwegsehen, die in meiner „Branche“, den chinesischen Kampfkünsten, immer wieder vorkommen. Aber kann grosszügiges Schweigen immer die Lösung sein? Ich habe nun versucht, ein heikles Thema anzuschneiden, welches mich auch persönlich betrifft und trotzdem sachlich zu bleiben. Ob es mir gelungen ist, weiss ich nicht, doch andererseits war es mir wichtig, dieses Thema einmal öffentlich zur Diskussion zu stellen.

Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Wir begegnen ihm vielerorts, oft auch dort, wo wir ihn gar nicht vermuten. In den letzten Jahren ist er vermehrt ein Thema geworden, weil Kopien von Markenartikeln aus China, die hiesigen Märkte überschwemmten. Die Chinesen kopierten Alles: Musik, Filme, Jeans, Mode, Uhren, Computerspiele und Software und sogar Autos. Mit nichts war und ist ihr Nachahmungseifer aufzuhalten. Auf ähnlichem Nährboden wurde einst das japanische Wirtschaftswunder möglich, bis die Japaner damit begannen, eigene Ideen umzusetzen. Nichts erinnert heute bei Sony an die amerikanischen Transistorradios, die sie in den 50iger Jahren kopiert haben. Eben so wenig erinnern heute japanische Autos an ihre amerikanischen Vorbilder. Auch bei den Chinesen ist langsam ein Trend weg vom Kopieren hin zu eigenen Entwicklungen zu beobachten. Den Aufstieg zur Wirtschaftsmacht haben sie aber teilweise dem Diebstahl geistigen Eigentums zu verdanken. Man kann jetzt mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Diebstahl zig Millionen Chinesen das Entkommen aus der Armut ermöglichte, aber vor dem Gesetz war und ist dies Diebstahl.

Und nun komme ich zum eigentlichen Thema. Bei meinem Thema geht es nicht um Armut oder Reichtum, denn die Protagonisten sind weder vom Einen noch vom Anderen betroffen. In den Kampfkünsten ist es weitaus schwieriger, geistiges Eigentum zu definieren, denn immerhin weisen die meisten der über 400 Stile Gemeinsamkeiten auf. Auch innerhalb der Stile gibt es verschiedene Strömungen. Betrachten wir beispielsweise den Hung Gar-Stil, stellen wir fest, dass sich auch dieser Stil von Beginn an in verschiedene Richtungen weiterentwickelt hat. Heute wird der Stil von vielen Meistern repräsentiert. In Hong Kong hatten sich Lam Jo, Lau Jaam, Kong Bucksam oder Chiu Kao einen Namen gemacht. Auf dem Festland waren dies unter anderem Wu Shaoquan, Huang Daxiong oder Lam Yaan. Ihre Abkömmlinge verbreiten heute Hung Kuen in Hong Kong, China und dem Rest der Welt. Das Hung Kuen dieser Meister unterscheidet sich aber meist in einigen Punkten. Unwesentlich sind Interpretationen der Ausführungen, die sind bei der Weitergabe von Generation zu Generation normal. Was ich meine, sind Spezialitäten oder Formen, die es nur in der Linie eines bestimmten Repräsentanten gibt. In der Linie von Lam Jo gibt es zum Beispiel die Bang Bo Kuen, eine dem Tang Lang entlehnte Form, die Lam Jo in seine Linie integriert hat, oder die Dan Do/Chin Cheung-Partnerübung, die er selbst entworfen hat. Auch mein Sigong Wu Shaoquan hat eigene Formen in seine Linie integriert, so unter anderem die Yap Mun Kuen, eine Einstiegsform oder die Sheung Tau Man Fu Guan, eine Stockform. Kenner der verschiedenen Hung Kuen-Linien können solche Formen meist dem Urheber zuordnen.

Umso erstaunter war ich nun, dass es seit Kurzem ein Lehrvideo (http://www.youtube.com/watch?v=Nqq7DHPbP40) von der Yap Mun Kuen gibt. In der Videobeschreibung heisst es, dass es sich um die erste Form des Stils handelt. Allerdings stammt das Video nicht aus der Linie meiner Sifu Wu Meiling resp. ihres Vaters Wu Shaoquan. Boshaft wie ich bin, dachte ich erst mal: Aha, dieser Grossmeister war mal ein Schüler meines Sigong, aber das wäre dann doch wieder polemisch. Die Antwort ist etwas simpler. Der Protagonist des Videos und heutige Schüler von Grossmeister Chiu lernte früher mal anderswo. Einerseits finde ich es gut, dass etwas von früher bei ihm hängen geblieben ist, andererseits frage ich mich aber, wie moralisch es ist, die Zelte an einem Ort abzubrechen, an einem neuen Ort wieder aufzuschlagen und das früher Gelernte einfach der Linie des neuen Ortes zuzuordnen. Nun ist es ja auch nicht so, dass man beim Hung Kuen in linienspezifischen Formen neue Techniken finden würde, aber die Komposition der bekannten Techniken ist in dieser Form einmalig, sprich es gibt für den Fachkundigen typische Erkennungsmerkmale, die eine Zuordnung zu einer bestimmten Linie zulässt..

Grundsätzlich bin ich dafür, dass in den Kampfkünsten nicht über geistiges Eigentum diskutiert werden sollte. Andererseits erwarte ich aber, dass Prinzipien, die von vielen Kampfkünstlern immer wieder angemahnt werden, auch in solchen Dingen eingehalten werden: Ich spreche da unter anderem von Wude, der Kampfkunsttugend. Zu Tugenden zähle ich auch Dinge wie Ehrlichkeit, Offenheit und dem Akzeptieren der eigenen Vergangenheit. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich ein einsamer Rufer in der Wüste bin, aber vielleicht lernt der Eine oder Andere, zu seiner Vergangenheit zu stehen und das Gelernte auch der Herkunft entsprechend zu verkaufen.

Guangzhou 2009

12. August 2009 - No Responses

Nach Guangzhou reisten wir mit dem Zug bis zum Ostbahnhof. Von dort fuhren wir mit dem Bus zu unserer neuen Bleibe, dem Landmark Hotel am Ufer des Perlfluss. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, unternahm ich einen selbständigen Ausflug durch die Altstadt von Guangzhou. Ich hatte ja 1991 ein halbes Jahr in Guangzhou gelebt und wollte sehen, wie sehr sich die Stadt verändert hat. Ich war positiv überrascht! Viele der Ecken, die ich von früher kannte, waren noch da. Irgendwann wurde die Abrissbirne in der Altstadt doch wieder abgezogen. Das Haus meiner Trainerin damals in Guangzhou in der Yi De Lu fand ich allerdings nicht mehr. Nach einer kurzen Regenpause zog es mich weiter zur Shamian-Insel, auf der noch viele Bauten aus der Kolonialzeit stehen und als markantestes Gebäude das White Swan Hotel herausragt. Dort genehmigte ich mir einen Kaffee in der Lobbybar und genoss die Aussicht auf den Perlfluss, der allerdings gar nicht perlte sondern ziemlich trüb daherfloss. Am Abend traf sich die ganze Truppe im Hotel und wir gönnten uns eine Fussmassage im 7. Stock des Hotels. Danach gingen einige von uns noch essen. Den späääten Abend rundeten Stefan, der heute angereist war, und ich noch mit einem Schlummertrunk ab.

Am nächsten Tag besuchten wir frühmorgens einen Park um den Chinesen beim Morgentraining zuzusehen. Dabei trafen wir auf zwei interessante Gruppen. Eine Gruppe übte auf recht hohem Niveau Chen-Stil Taijiquan, die andere trainierte einen mir nicht bekannten Wushu-Stil und zeigte unter anderem eine Spazierstockform. Wir selbt trainierten auch ein wenig und kehrten dann ins Hotel zurück, um zu frühstücken. Wir trafen uns dann wieder zum Mittagessen. Sifu führte uns in ein typisch kantonesisches Lokal zum Yam Cha, zum Teetrinken. In Guangzhou bedeutet dies, dass nebst Tee vor allem die auch bei uns bekannten Dim Sum-Häppchen serviert werden. Es schmeckte ausgezeichnet, vor allem die Ha Cao-Teigtäschchen mit Crevetten-Füllung werden mir in Erinnerung bleiben, denn in dieser Qualität kriegen wir sie in Europa nie vor die Essstäbchen. Am späten Nachmittag fuhren wir dann zum Ort des Fests, wo am nächsten Tag unsere Vorführung stattfinden sollte. Wir machten einen Probedurchlauf, danach war schon wieder Abendessen angesagt (in China dreht sich ja viel ums Essen). Nach dem Abendessen kehrten wir ins Hotel zurück und genehmigten uns einen Schlummertrunk in der Hotelbar.

Am nächsten Morgen war erst mal Ausschlafen angesagt, und das ausgiebig. Schliesslich wollte ich ausgeruht an die Vorführung gehen. Nach dem Mittagessen trafen wir uns dann in der Lobby und fuhren zum Ort des Geschehens. Am heutigen Tag wurde der 100. Geburtstag unseres leider viel zu früh gestorbenen Sigong Wu Shaoquan gefeiert. Zuerst durften wir alle Sitai begrüssen, Trotz ihrer 89 Jahre machte sie einen gesunden und wachen Eindruck auf mich. Was mich besonders freute: Sie erkannte mich wieder. Danach bereiteten wir uns auf unseren Auftritt vor. Eine Stunde vor der Vorführung erhielt ich dann endlich auch den Speer, den ich für die Aufführung brauchen durfte. Es war klar: Hier vor fachkundigem Publikum wollten wir zeigen, dass wir auch in Europa gutes Wushu gelernt haben. Der offizielle Anlass begann mit Aufnahmezeremonien. Jiamin, Stefan, Kai, Pascal und ich wurden in die 5. Generation des Hung Kuen nach Wong Fei Hong aufgenommen, Sibylle, Astrid, Pia, Alex und Paul als Wu-Familienschüler. Eine grosse Ehre für uns Alle und eine schöne für immer bleibende Erinnerung in meinem Wushu-Leben, die mich auch etwas mit Stolz erfüllt. Danach standen die Vorführungen auf dem Programm. Wir standen als zweite Schule auf dem Programm. Meine Speerform Bat Gua Cheung kam gleich nach Stefans Dan Gong Kuen. Ich war erleichtert, denn ich brachte die Form fehlerfrei über die Bühne. Nun galt es noch, die Partnerform mit Stefan zu meistern. Auch dies klappte nebst einer kleinen kleinen Unsicherheit gut. Und dann war die Vorführung auch schon vorbei. Der lang anhaltende Applaus zeigte, dass auch das fachkundige chinesische Publikum Gefallen an unserer Darbietung fand. Danach war endlich Abendessen angesagt. Und einmal mehr schmeckte es ausgezeichnet. Nicht umsonst gilt die kantonesische Küche als die beste Küche Chinas. Am späten Abend liessen wir unsere Erleichterung über die geglückte Vorführung im Paulaner-Biergarten am Perlfluss ausklingen.

Am nächsten trafen wir uns wieder in der Lobby um gemeinsam zum Guangxiao Tempel zu gehen. Der Guangxiao Tempel – einer der wenigen wirklich historisch relevanten Anlagen in Guangzhou – befindet in der Altstadt Guangzhous. Dort beteten wir für unseren Wu Shi Wuguan-Begründer Wu Shaoquan, aber gedachten vor Allem auch unseres vor 2 Jahren viel zu früh gegangenen Sibak Wu Runjin, den wir immer in unseren Herzen tragen werden. Nach einem vegetarischen Mittagessen im Tempelrestaurant unternahmen wir am Nachmittag noch einen Stadtbummel durch eine Einkaufsstrasse in der Altstadt. Nach dem Abendessen und einem letzten Schlummertrunk in einer Bar hiess es für mich Abschied nehmen. Während meine Sifu, Freunde und Kung Fu-Geschwister morgen weiterreisen würden, würde ich die Heimreise antreten. Eine kurzweilige, intensive und eindrückliche Erlebnisreise war damit zu Ende gegangen. Doch die Eindrücke und die Werte die ich dabei erfahren durfte, werden ewig bleiben.

Nachtrag 17.08.2009: Links zu den Fotos:

http://picasaweb.google.ch/wuguan.ch/Guangzhou2009

http://picasaweb.google.ch/wuguan.ch/WushuFestGuangzhou2009

Hong Kong und Macau 2009

5. August 2009 - No Responses

So, endlich komme ich mal dazu, ein paar Zeilen zu schreiben. Ich bin ja nun schon ein paar Tage unterwegs. Die Reise führte mich diesmal vom Zürcher Flughafen via Dubai nach Hong Kong. Ich erreichte den Chek Lap Kok-Flughafen kurz nach 22:00 Uhr, bis ich dann im Hotel war, hatte es schon 12 Uhr nachts geschlagen. Ich bezog mein Zimmer und da mein Magen knurrte ging ich nochmals raus. Das Tolle an chinesischen Städten ist ja, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit immer irgendwo essen kann. Ich fand ein ansprechendes Lokal gleich in Hotelnähe und bestellte mir ein typisch kantonesisches Reisnudelgericht mit Rindfleisch. Gut gesättigt kehrte ich ins Hotel zurück und legte mich nach einer erfrischenden Dusche hin.

 Eigentlich wollte ich ja am nächsten Morgen nach Macau. Doch dummerweise hatte ich den Wecker auf Schweizer Zeit gestellt und so schlief ich bis Mittag… Ich disponierte kurz um und unternahm stattdessen einen Ausflug auf Hong Kong Island. Das Mittagessen nahm ich noch in Tsim Sha Tsui ein, danach setzte ich mit der Star Ferry auf Hong Kong Island über und begab mich zu Fuss zur Hollywood Road. Dort hatte es mehrere Läden, die sich auf chinesische Antiquitäten spezialisiert hatten und da ich ja immer ein, zwei Stücke von meinen Reisen mit nach Hause brachte, war dies natürlich eine ideale Gelegenheit, einen Punkt auf meiner Taskliste abzuhaken. Ich entschied mich schliesslich für eine Figur, angeblich Ming-Dynastie und für eine kleine Teekanne aus der Qing-Dynastie. Danach genehmigte ich mir ein Bier in einer der Bars bei der Escalator Road. So gestärkt schlenderte ich noch ein wenig durch die Gassen rund um die Hollywood Road und begann mit dem Abstieg nach Central. Schliesslich kehrte ich mit der Star Ferry nach Tsim Sha Tsui zurück und nach einem Streifzug durch die Nathan Road kehrte ich ins Hotel zurück. Nach einer erfrischenden Dusche traf ich Sybille, die noch vor dem Rest der Gruppe eingetroffen war, im Hotel Café und gemeinsam streiften wir durch die Ladenstrassen von Tsim Sha Tsui und Jordan. Zum Abendessen gönnten wir uns eine Peking-Ente und anschliessend. schlenderten wir noch durch die Temple Street. Zurück im Hotel warteten wir auf die Ankunft der Reisegruppe. Sifu war zuerst da und brachte die Pässe der Reisegruppe mit. So konnten wir einen schnellen Check-in organisieren und als die Gruppe eintraf, konnte ich allen nur noch den Zimmerschlüssel in die Hand drücken.

Am nächsten Morgen unternahm ich noch vor dem Frühstück einen Ausflug in den Kowloon Park und beobachtete die chinesischen Einwohner Hong Kongs beim frühmorgendlichen Taiji-Training. Dabei stiess ich auf eine Gruppe, die Bagua übte und von einem Deutschen unterrichtet wurde. Am Nachmittag unternahmen wir einen Ausflug auf Hong Kong Island. Zuerst besuchten wir einen Markt in Stanley auf der anderen Seite der Insel.Positiv überraschte der Markt mit der Tatsache, dass keine Inder oder sonstige Händler versuchten, dir schreierisch etwas aufzuschwatzen. Man konnte gemütlich durch die Stände schlendern, sich etwas anschauen und es anschliessend kaufen oder sein lassen, ohne dass jemand dir dauernd was aufzuschwatzen versuchte. Danach fuhren wir wieder zurück nach Central, wechselten den Bus und fuhren zum Victoria Peak hinauf, dem Aussichtsberg von Hong Kong Island. Als wir oben anlangten, war die Abenddämmerung in ihrer letzten Phase und langsam gingen in der ganzen Stadt die Lichter an. Eine faszinierende Aussicht! Danach fuhren wir mit Taxis zur Star Ferry und setzten mit der Fähre wieder nach Tsim Sha Tsui über. Den Abend liessen wir bei feinstem kantonesischem Essen ausklingen.

Etwas hatte ich mir schon lange vorgenommen: Macau zu besuchen. Nun, war der Zeitpunkt gekommen. Noch vor dem Frühstück besorgte ich mir eine Fahrkarte für die Fähre. Dann gönnte ich mir ein ausgiebiges Frühstück und kam rechtzeitig wieder in die Abfahrtshalle um die Fähre zu besteigen. Nach einer einstündigen Fahrt erreichte ich Macau gegen 11:00 Uhr. Ich lief zu Fuss ins Zentrum, vorbei am Hotel Presidente, in dem wir während der WM 2003 residierten, dem Hotel Lisboa und gelangte so zum portugiesischen Teil der Altstadt. Ich schlenderte dort durch die Gassen dieses renovierten Teils der Altstadt. Schliesslich stieg ich hoch zu den Ruinen der Sao Paolo-Kathedrale und anschliessend zur angrenzenden Burg. Da es an diesem Tag sehr heiß war, schwitzte ich aussergewöhnlich viel. Oben angekommen, war ich völlig ausgetrocknet und asugepumpt. Ich musste mich erstmal eine Weile hinsetzen und erholen. Beim Abstieg kam ich an einem 7eleven-Shop vorbei. Ich kaufte mir 2 Liter Flüssigkeit und eine Viertelstunde später fühlte ich schon wieder durstig. Ich suchte mir also ein Restaurant und trank dort einen weiteren Liter. Langsam kriegte ich so meinen Flüssigkeits-Haushalt wieder ins Lot. Da es bereits späterer Nachmittag war, nahm ich ein Taxi und fuhr zum Ferry-Pier zurück. Auf der Rückreise herrschte aufgrund eines starken Gewitters ein starker Seegang. Ich war froh, dass meine Sitznachbarin, die ziemlich grün wurde, Alles bei sich behalten konnte. Zurück in Hong Kong war Abendessen angesagt. Danach bereitete ich mich auf die Weiterreise nach Guangzhou vor. Von den Erlebnissen dort werde ich wohl erst auf meinem Rückweg in die Schweiz berichten können.

PS: Ich wollte noch einige Fotos hochladen. Leider ist der Link zu meinem Fotoalbum bei Picasa im Moment blockiert. Ich werde dann spätestens bei meiner Rückkehr einen Upload vornehmen.

Nachtrag 17.08.2009. Hier nun die Links zu meinen Fotos:

http://picasaweb.google.ch/wuguan.ch/HongKong2009

http://picasaweb.google.ch/wuguan.ch/Macao2009

2. Qualifikationsturnier der Swiss Wushu Federation 2009

22. June 2009 - No Responses

Am 21. Juni fand in Lichtensteig/SG das 2. Qualifikationsturnier für die Wushu Schweizer Meisterschaften statt. Da mein Sohn Kenny am Wettkampf teilnahm, war es klar, dass ich mich trotz des abgelegenen Ortes, Lichtensteig ist äusserster Osten der Schweiz, auf den Weg machte, um ihn zu unterstützen. Schade, dass wir immer noch in den grossen Städten angekommen sind, wo ein grösseres Zielpublikum für unsere Sportart begeistert werden könnte. Könnte…

Ich kenne ja die swisswushu-Turniere seit bald 15 Jahren aus verschiedensten Blickwinkeln: ich war Athlet, Coach, Schiedsrichter, Vorstandsmitglied, Präsident, Speaker und nun Vater und Zuschauer.  Auch wenn ich mich jeweils für Kennys Resultate freue, Einiges finde ich doch bedenklich. Dass er beispielsweise in seiner angestammten Junioren-Kategorie  nicht genügend  Konkurrenten hat und teilweise mit Erwachsenen oder Mädchen starten muss, zeigt, dass im Nachwuchsbereich in den meisten Schulen nicht konsequent gearbeitet wird.

Schauen wir etwas zurück: An den Weltmeisterschaften 2003 in Macao stellte die IWuF das neue Reglement vor, das freie Formen mit Pflichtbewegungen implementierte. Schon für die darauf folgende Wettkampfsaison liess ich, damals Verbandspräsident, eine Wettkampfkategorie für genau diese freie Formen einführen. Damals sagten mir einige Schulleiter, dass dies viel zu früh sei. Ich antwortete damals, wenn wir international jemals konkurrenzfähig sein wollten, müssten wir  uns bedingungslos auf die neuen Reglemente fokussieren. Obwohl ich damals einiges Kopfschütteln erntete, gewannen an der darauf folgenden EM „meine“ Luzerner Sandro Amrein und Leslie Kunz insgesamt 6 Medaillen. Dies war bis dahin die erfolgreichste swisswushu-Bilanz an einer EM. Ich begann daraufhin, inzwischen hatte die erste Junioren-EM stattgefunden, auch die da geforderten Pflichtformen bei den Junioren-Kategorien der Swiss Wushu Federation einzuführen. Auch da war der Hintergedanke: Wenn wir bei den Ersten sind, die das konsequent umsetzen, werden wir auch Erfolg haben. Dieser stellte sich prompt bei der nächsten EM ein, als die swisswushu-Delegation mit mehreren Medaillen heimkehrte, darunter mit 2x Gold. Im swisswushu-Trainerausbildungskonzept, welches ich zusammen mit der swisswushu-Ausbildungsabteilung entwickelte, bildeten ebenfalls diese Pflichtformen die Basis. Denn wenn die Trainer auf diese Formen spezialisiert sind, können sie auch genügend Nachwuchsathleten heranziehen, die eine gesunde Konkurrenz an Turnieren bilden, so dass wirklich die Besten gewinnen können.

Leider sehe ich nun, dass nur ein Schulleiter meine damaligen Ideen nach anfänglicher Skepsis wirklich verstanden und umgesetzt hat: mein Freund Jürg Wiesendanger von der Wushu Akademie Schweiz. Nicht einmal meine ehemalige Schule, bis Mitte dieses Jahrzehnts noch die erfolgreichste Schule, hat wirklich verstanden, um was es wirklich geht. Das ist schade, doch es zeigt, dass Massnahmen notwendig sind. Es gab da mal ein Nachwuchsförderungskonzept im Verband. Zeit, dass es aus der Schublade genommen wird…

Zurück zum Turnier: Kenny war an diesem Tag nicht in Höchstform. Trotzdem reichte es ihm für einen 1. und einen 2. Platz. Abhaken und durch. Ich denke, beim nächsten Turnier ist er wieder in Form.

Ach ja, Bilder gibt es auch: http://picasaweb.google.ch/wuguan.ch/2SwisswushuQualifikationsturnier2009

 

 

Der zweitbeste Kaempfer?

5. May 2009 - No Responses

Ich bin vor Kurzem auf einen Artikel gestossen, der mich zu diesem Blog animiert hat. Damit Ihr die gleiche Ausgangslage wie ich habt, koennt Ihr hier den Artikel lesen:

http://www.tagblatt.ch/aktuell/ostschweiz/tb-os/Der-zweitbeste-Kaempfer;art138,1307572

Einige moegen sich an meinen frueheren Blogeintrag erinnern, in dem ich ein messbares System fuer Wushu- und Taiji-Lehrer forderte. Dieser Artikel zeigt nun auf, weshalb dies ein grosses Anliegen von mir ist.

Der im Artikel erwaehnte Kung Fu-Lehrer (Sifu oder Meister sind in unserer Branche leider inzwischen ziemlich abgedroschene Worte) hat sicher in den langen Jahren seines Kampfkunst-Trainings etwas gelernt und kann seinen Schuelern gutes Training anbieten. Aber der zweitbeste Kaempfer der Welt?

Schauen wir etwas genauer hin. Hung Gar, der Kampkunststil des Kung Fu-Lehrers ist einer von unzaehligen Stilen der chinesischen Kampfkuenste. Auch innerhalb des Hung Gar, gibt es verschiedene Stroemungen. Nebst Chiu Chi Ling gibt es in Hong Kong eine Reihe von Hung Gar-Lehrern die mindestens ueber dieselbe Reputation verfuegen: Lam Chun Fai, Lau Kar Leung, Kong Buck Sam um nur Einige zu nennen. Auch in der Volksrepublik China gibt es eine Vielzahl von Hung Gar-Meistern, vor allem in Guangzhou, Foshan und anliegenden Staedten, diese sind aber weniger bekannt, da diese nicht denselben Zugang zur Hong Konger Filmindustrie hatten, wie die bereits erwaehnten Lehrer.

Das relativiert die Aussage vom besten Kung Fu Kaempfer bereits erheblich und damit auch die betreffend des zweitbesten Kaempfers. Andere Aussagen in diesem Artikel (wie z.B. die ueber die Ehrendoktortitel) moechte ich gar nicht erst kommentieren, denn sie wuerden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ein serioeser Journalist haette aber die Fakten geklaert. So gibt es beispielsweise ein Verband, der in der Schweiz bereits an ueber 70 Standorten vertreten ist, die Swiss Wushu Federation. Diese ist seit mehreren Jahren Mitglied von Swiss Olympic und wohl der einzige wirklich qualifizierte Verband in unserem Land. Der zweitbeste Kaempfer ist dort seit mehreren Jahren nicht mehr dabei.

Der 7. Dan oder Duan, wie es auf chinesisch korrekterweise heissen muesste, ist eine verbandsinterne Angelegenheit der International Chiu Chi Ling Hung Gar Kung Fu Association und ist nur dort anerkannt. In der stilunabhaengigen World Kuoshu Federation verfuegt er laut Homepage der Swiss Kuoshu Federation nur ueber einen 5. Duan. Zumindest bei der World Kuoshu Federation scheint er also nicht der zweitbeste Kaempfer zu sein, denn laut deren Homepage sind 20 Duan-Traeger mit einem hoeheren Duan-Grad ausgestattet als er (nur etwas Internet-Recherche, sollte auch fuer einen Journalisten moeglich sein…).
Nun, was ich hier festhalten wollte ist schlussendlich das Folgende: Auch wenn man selbst sehr gut und qualifiziert ist, sollte man sich gerade als Lehrer oder Meister in Bescheidenheit ueben koennen. Und man sollte sich auch im Klaren darueber sein, dass es die eine oder andere Person gibt, die kritisch hinterfragt und sich dann ueber die Hintergruende informiert. Das ist nicht schwer und dann relativieren sich solche Berichte wie der Artikel im Tagblatt. Vom Journalisten schliesslich haette ich mehr Sorgfaltspflicht erwartet. Das war mehr Huldigung denn Recherche. Ich hoffe, dass in Zukunft serioesere Berichte ueber meine Kampfkunst veroeffentlicht werden.
PS: Aufgrund eines technischen Problems diesmal ohne Umlaute.

Letzte Tage in China

23. April 2009 - No Responses

Am letzten Tag in Wenxian trainierten wir vormittags nochmals Chun Qiu Da Dao und am Nachmittag wiederholten wir ein letztes Mal die Lao Jia Yi Lu. Danach hiess es Abschied nehmen.  Wir verabschiedeten uns der Reihe nach von Li Laoshi, Wang Zhanhai Laoshi, Yan Sujie und Wang Xian Dashi. Wang Xian entschuldigte sich nochmals dafür, dass er sich aufgrund seiner Knieerkrankung nicht selbst um das ganze Training kümmern konnte. Danach fuhren wir mit einem Schüler von Wang Xian nach Jiaozuo. Nach einem letzten Festmahl, unter vielen anderen Gerichten wurde auch Peking-Ente serviert, wurden wir zum Bahnhof gebracht, wo wir den Nachtzug Richtung Beijing bestiegen. 

Am nächsten Morgen um halb Neun trafen wir in Beijing ein. Unser letzter Ferientag war angebrochen. Wir nahmen ein Taxi und fuhren direkt zur June 1st Wushu School. Unser Zimmer war bereit und wir erfrischten uns mit einer Dusche. Danach war ein Interview mit einer Radiostation angesetzt. Sie interessierten sich vor allem für Kenny, fanden es aber auch interessant, dass ein Vater mit seinem Sohn zum Training nach China gereist ist. Zum Schluss gab Kenny noch eine kleine Taiji-Vorführung, die dann auf der Website der Radiostation gezeigt werden soll. Danach machten wir uns bereit, um unsere letzten Pendenzen abzuarbeiten. Zuerst bereiteten wir die Sachen vor, die wir mit der normalen Post verschicken wollten und nahmen sie mit. Wir fuhren mit Bus und U-Bahn bis Wu Dao Kou, assen dort zu Mittag und nahmen dann ein Taxi bis zum Südtor der Sportuniversität. Von dort waren es nur wenige Schritte bis zum Wushu-Laden, wo wir unsere Bestellungen von der Vorwoche abholten. Danach begaben wir uns zur Sportuni, um die zweitletzte Pendenz abzuarbeiten: A Xu hatte ja noch einige Defizite, was Leben und Essen in Beijing anbelangte. Diese Lücke wollten wir heute schliessen. Nachdem wir A Xu getroffen hatten, baten wir sie, uns zur Campus-Post zu bringen, damit wir unsere Sachen und Bestellungen per Paket in die Schweiz schicken können. Doch die Postfiliale fühlte sich nur für Inlandpakete zuständig. Also nahmen wir die Metro von Shangdi aus und fuhren mit mehrmaligem Umsteigen bis zum Pekinger Hauptbahnhof, wo sich die Hauptpost befand. Nachdem wir dies endlich abgehakt hatten,  war’s schon Zeit zum Abendessen.  Mein Lieblingsentenlokal war nur 10 Minuten zu Fuss von der Hauptpost entfernt. Und da wir A Xu in der Vorwoche ja angedroht hatten, dass wir ihr beibringen würden Peking-Ente zu essen und geniessen. Gesagt, getan! Die letzte Ente vor unserer Rückreise schmeckte ausgezeichnet und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.  Danach war es Zeit, mit A Xu shoppen zu gehen. Wir liefen vom Entenlokal durchs Oriental Plaza mit seinen Shopping Malls weiter zu r Wangfujing.  Dort kümmerten wir uns um einige Souvenirs für die Familie zu Hause, während sich A Xu am Modekitsch erfreute. Ja, aus dem scheuen griesgrämigen Mädchen im Henan Team ist eine junge Frau geworden J.  Schliesslich, die meisten Läden hatten schon geschlossen, nahmen wir die U-Bahn zurück zur Unterkunft.  Kurz bevor A Xu umsteigen musste, verabschiedeten wir uns voneinander, nicht ohne das Versprechen, uns im nächsten Jahr wiederzusehen.  Danach kehrten wir ein letztes Mal in die June 1st zurück, packten unsere Sachen und legten uns dann hin.

Die Rückreise traten wir in Beijing diesmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln an:  Zuerst mit dem Bus zur U-Bahn, dann mit der U-Bahn zum Airport-Express, welcher uns dann schliesslich zum Flughafen brachte. Nach dem Einchecken und der Passkontrolle gönnten wir uns einen Brunch. Schliesslich konnten wir die Maschine der Southern China besteigen und flogen via Amsterdam zurück nach Hause.

Fazit

Dies war sozusagen meine Jubiläumsreise nach China, denn im April 1989, vor 20 Jahren also, reiste ich zum ersten Mal nach China. Damals, vor 20 Jahren war China ein armes Land. Es gab keine Autos, es gab nur Fahrräder.  Das Essen war nicht sehr nahrhaft (ok, ich war nicht in Guangzhou) und die Zeiten begannen gerade schwierig zu werden, denn Mitte April starb damals der reformerische frühere Parteichef Hu Yaobang. Sein Ableben löste die Studentenunruhen aus, die später in der Tragödie auf dem Tiananmen-Platz endeten.  China ist heute ein anderes Land, ein modernes , aufstrebendes und dynamisches Land. Vieles hat sich zum Positiven gewendet, viele Menschen sind der Armut entronnen.  Doch es gibt auch Dinge, die mich etwas abstossen: der ungezügelte Kapitalismus, die immer grösser werdende Kluft zwischen arm und reich oder der unverhohlene Gigantismus in den Metropolen, sehe ich mit gemischten Gefühlen. 

Nun, auf meiner Jubiläumsreise begleitete mich mein Sohn Kenny. Mir machte es dadurch doppelt Spass. Ich zeigte im Orte, die ich damals vor 20 Jahren das erste Mal besucht hatte und trainierte mit ihm Taijiquan in Wenxian und Chenjiagou beim bekannten Meister Wang Xian, bei dem ich vor 20 Jahren mein Taiji-Training begann. Was mich besonders freut: Kenny’s Feuer für das Taiji ist entfacht und ich bin guten Mutes, dass auch er in 20 Jahren noch nach Wenxian zum Training reisen wird. Vielleicht mit seinem Sohn.

Ein Link über den Bericht von unserer Vorführung in Chenjiagou auf Wang Xian’s Homepage:

http://www.wangxian.cn/Article/ShowArticle.asp?ArticleID=311

In einem weiteren Kurzbericht mit Fotos wurde unser letzter Trainingstag festgehalten:

http://www.wangxian.cn/Article/ShowArticle.asp?ArticleID=313

Und hier noch ein Link zu den Fotos der Reise: http://picasaweb.google.ch/wuguan.ch/China2009

Letzte Zeilen aus Wenxian

16. April 2009 - No Responses

Die letzten beiden Tage standen im Zeichen der Hellebarden-Form. Die Form ist nicht nur technisch sondern auch körperlich sehr anspruchsvoll. Das mag daran liegen, dass unsere Da Dao im Vergleich zu Wushu-Da Dao’s recht schwer sind (wobei man durchaus für die Form auch eine solche gebrauchen könnte, nur sind unsere auseinanderschraubbaren Da Dao’s einfach schwerer), aber auch Kenny konstatierte, dass ihn eine Wushu-Form ähnlich ins Schwitzen bringen würde. Soll also niemand mehr behaupten, Taiji sei nicht anstrengend! Immerhin, haben wir den Ablauf unter Lehrer Li’s Führung bereits gelernt, die restliche Zeit gilt der Detailarbeit und den Feinheiten. Immerhin geht es Wang Laoshi’s Knie etwas besser, so dass er wieder vermehrt Korrekturen selbst einbringen konnte. Morgen werden wir nochmals Trainieren, bevor wir dann von Jiaozuo aus mit dem Nachtzug nach Beijing zurückreisen werden. Dort werden wir noch einige Dinge zu erledigen haben, ich kann also nicht versprechen, dass ich mich vor unserer Rückreise nochmals zu Wort melden kann. Ein letztes Update zur Reise wird es aber so oder so geben, falls nicht von Beijing aus, dann halt wenn ich zurück in Bern bin. Bis bald!

Von Lao Jia zu Chun Qiu Da Dao

14. April 2009 - No Responses

Am Sonntag stand zum letzten Mal Vertiefung der Lao Jia Yi Lu auf dem Programm. Wang Laoshi’s Knie handicapierte ihn immer noch zu stark, doch manchmal hielt es ihn doch nicht auf dem Stuhl und er übernahm selbst Erklärungen und demonstrierte Anwendungen. Ansonsten waren wir bei Wang Zhanhai bestens aufgehoben. Er, der als jüngster Landesmeister im Tuishou aller Zeiten gilt, konnte uns die Bedeutung jeder Bewegung anhand von Beispielen aus dem Tuishou bestens aufgehoben. Bis zum Nachmittag schafften wir es, dass wir alle Bewegungen, die Kenny von mir in der Schweiz gelernt hatte, durchgearbeitet hatten und er so jetzt bestens gerüstet für das Vertiefen der Form in die Schweiz zurückkehren kann. Zu Hause werden wir weiter am Verfeinern des Gelernten arbeiten.

Am nächsten Morgen starten wir dann mit der neuen Form, und zwar mit einer hier weniger bekannten Form aus dem Chen-Stil, der Taiji-Hellebarde oder wie sie im Chen-Stil genannt wird, die Frühling/Herbst-Hellebarde (Chun Qiu Da Dao). Wir haben vorgängig bei Wang Laoshi 2 zusammenschraubbare Hellebarden bestellt, die wir vor dem Training in Empfang nahmen. Da Wang Laoshi selbst uns die Bewegungen aufgrund seines Knies nicht zeigen konnte, hatte er einen seiner Schüler, Li Laoshi mit dem Training betraut. Wie gewohnt sass er jedoch am Seitenrand und gab seine Anweisungen und Korrekturen Li Laoshi weiter, der uns dann dies am praktischen Beispiel vorzeigte. Wir merkten schnell, dass das Hellebarden-Training anstrengender würde, als zuvor das Lao Jia Yi Lu-Training. Zum einen wog unsere Hellebarde doch recht viel und zum anderen werden viele Bewegungen ähnlich schnell wie bei der Er Lu, der Kanonenfaust-Form des Chen-Stils ausgeführt. Nun, am Abend war ich jedenfalls ziemlich geschafft, so müde hatte ich mich nach einem Taiji-Training schon lange nicht mehr gefühlt. Was mich aber freute: Kenny hatte an der Hellebarden-Form sichtlich Freude und legte sich ins Zeug. 

Beim Essen haben wir angefangen, etwas Zurückhaltung zu üben. Schliesslich wollen wir uns die letzte Peking-Ente vor dem Rückflug noch leisten können :) . Ob wir noch Kapazitäten dafür haben, demnächst auf diesem Kanal!

 

Wenxian und Chenjiagou – In der Heimat des Taijiquan

12. April 2009 - No Responses

Am frühen Donnerstag Morgen kamen wir mit dem Zug in Zhengzhou an. Wie oft bei der Ankunft in Zhengzhou, genossen wir zuerst ein Frühstück im Red Coral Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Die Qualität des Buffets hat zwar im Vergleich zu früher etwas nachgelassen, ist aber immer noch sehr gut. Danach trafen wir uns mit anderen Schülern von Wang Xian in der Lobby und begaben uns gemeinsam zum Busbahnhof. Eine zweistündige Busfahrt brachte uns schliesslich nach Wenxian, Wo Wang Xian’s rechte Hand, Yan Sujie bereits auf uns wartete. Nachdem sie uns zum Hotel gebracht hatte und wir unsere Zimmer bezogen hatten, ging es auch schon zum 1. Mittagessen. Beim Restaurant wartete auch schon Wang Zhanjun auf uns, der jüngere Sohn von Wang Xian.Wang Laoshi selbst war verhindert, stiess aber nach dem Essen auch noch zu uns.

Am Nachmittag dann das erste Training. Basisarbeit war angesagt. Wir widmeten uns ausschliesslich den ersten Bewegung der Lao Jia Yi Lu. Schon bei der 1. Bewegung setzte Wang Laoshi mit Korrekturen an und so verlief der ganze Nachmittag. Bis Trainingsschluss hatten wir es gerade mal bis zur 3. Bewegung Lan Zha Yi geschafft. Nach dem Training fuhren wir nach Jiaozuo. Ein Schüler von Wang Laoshi hatte gerade seine Schule eröffnet und zeigte uns seine neuen Räumlichkeiten. Danach lud er uns zu einem Festessen ein, welches wir sehr genossen. Danach fuhren wir nach Wenxian zurück und ein langer Tag fand schliesslich sein Ende.

 

Am nächsten Morgen war wiederum Training auf dem Programm. Ich wusste schon seit langem, dass Wang Laoshi Probleme mit seinem Knie hat. Mit dem Wetterumschwung, es war etwa 15 Grad  kälter als am Vortag, verschlimmerte sich dies. Deshalb übernahm sein älterer Sohn Wang Zhanhai ein Teil des Trainings. Mit ihm konnte ich meine Tuishou-Kenntnisse repetieren und einige neue Tricks hinzulernen. Am Nachmittag nochmals dasselbe, nur dass wir diesmal mit Wang Zhanhai weiter an der Lao Jia Yi Lu arbeiteten. Auch Wang Zhanhai setzte oft zu Korrekturen an, wir kamen aber trotzdem ein ganzes Stück voran. Nach Training und Abendessen kehrten wir diesmal verhältnismässig früh auf unsere Zimmer zurück. So hatten wir noch etwas Zeit, uns den weniger wichtigen Sachen, wie Blog schreiben :-) usw. zuzuwenden.

 

Am nächsten Vormittag trainierten wir wieder im Wushuguan von Wenxian. Wang Laoshi’s Knie liess es immer noch nicht zu, dass er das Training leitet, aber er sass immer dabei und gab seinem Sohn Wang Zhanhai Hinweise, die dieser dann mit uns umsetzte. Wir arbeiteten weiter fleissig an der Lao Jia Yi Lu. Auch wenn ich diese Form nun schon seit 20 Jahren übe, muss ich gestehen, dass es immer noch viel zu verbessern gibt. Gefreut haben mich Kenny’s Fortschritte, die er hier bereits gemacht hat. Es scheint, dass ihm der Chen-Stil wirklich liegt.

 

Das Nachmittagstraining fand in Wang Laoshi’s Schule in Chenjiagou statt. Zuerst gab’s eine Vorführung für einige Gäste. Während der Vorführung fragte Yan Sujie, ob wir auch an der Vorführung teilnehmen könnten. Also bildeten Kenny und ich ein Vorführteam und führten einen Teil aus Lao Jia Yi Lu vor. Im Anschluss an unsere Vorführung wurden Kenny und ich noch von einem lokalen Fernsehsender interviewt. Im Anschluss an die Vorführung hiess es dann wieder arbeiten an der Lao Jia Yi Lu. Gut an Wang Zhanhai’s Erklärungen sind immer wieder die praktischen Anwendungen und die damit verbundene Umsetzung im Tuishou, die er einfliessen lässt.

 

Nach dem Training stand einmal mehr ein fürstliches Abendessen auf dem Programm. Diesmal wurden wir von einem Schüler von Wang Laoshi eingeladen. Unzählige Gerichte wurden aufgetragen, wohl nicht die Hälfte davon wurde auch wirklich gegessen, da die Meisten wie ich schon satt waren als noch neue Gerichte serviert wurden. Den Rest des Abends verbrachten wir brav im Hotel und bereiteten uns auf das Training vom nächsten Morgen vor.

 

Und wenn ich hier mal einen Internet-Anschluss finde, werde ich den Blog auch wieder regelmässig aktualisieren. Versprochen. Bis dann!